"es gibt kein Zurück,

keine Rückrufaktion von Glück"

„Es gibt kein Zurück“

In Thimo Sanders Liedern spukt’s. Geister gehen hier ein und aus. Schweben durch die Akkorde und Geschichten. Und bei jedem Song fühlt man sich, als würde man auch selber einen Zentimeter über dem Boden zuhören.
Das beginnt bei dem ätherischen „Zurück“, das eine Weile ohne Pilot abzuheben scheint, bevor Sanders Stimme den Kurs bestimmt: „Es gibt kein Zurück / Keine Rückrufaktion von Glück / Kein So-jetzt-aber-doch-nicht und So-wollt-ich’s-nicht-ehrlich“. Ein bisschen Mercury Rev mit knarzenden Dielen.
In „Pommerby“ tragen einen warme Blasinstrumente durch das melancholische Warten eines erwachsenen Mannes vom Landstrich an der Küste, der seine heimliche Liebe an die Großstadt und das Showbiz verloren hat. Ein bisschen Fountains of Wayne. Bei „Geisterbahn“ folgen wir einem Busfahrer, der doch eigentlich ganz woanders sein sollte und etwas anderes tun wollte als nachts in einem Kasten Metall Anonyme zu kutschieren. Ein bisschen Ryan Adams in besseren Tagen. Und man muss unweigerlich über den Teenager grinsen, der innerlich darum bettelt, dass „Luna“ beim Abschied das Kommando übernimmt, etwas sagt, irgendwas, das die Zeit vor dem Gehen verlängert. Ein bisschen Teenage wohl, Teenage Fanclub.
Doch auch wenn in Liedern wie „Der Weg versperrt“ eine Erinnerung an Jeff Tweedy, im Power- Pop von „Wünschelrutenherz“ die Sehnsucht von Evan Dando und bei „Nachts“ die krumme Traurigkeit von Connor Oberst auftauchen, leimt Thimo Sander am Ende doch alles mit seinem eigenen Charme zusammen. Und mit einem Haufen Geräusche, die sich schwer zuordnen lassen, die aber das Gesamtbild der Platte prägen. Ein bisschen geisterhaft eben.
Thimo Sander ist längst kein Unbekannter, spielte schon in Bands, als die Kids noch wussten wer Kurt Cobain ist, veröffentlichte eine Solo-Platte bei Tapete, komponierte Filmmusik für Fatih Akin und fungiert seit Jahren als musikalischer Leiter der Band von Adel Tawil, der hier auf „Nachts“ mitsingt. Und wenn das alles wie eine sehr bunte Mischung klingt, dann deshalb, weil es genau das ist. Diese Lieder sind wie Kurzfilme, Erzählungen, in schummrigen Galerien hängende Bilder. Und ein bisschen wie Geister. Bunte Geister.

„Es gibt kein Zurück“ erscheint im Herbst 2019

Produziert von Thimo Sander
Aufgenommen von Moses Schneider und Thimo Sander